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Europa-Quali für Olympia in Tokio

Nina Hemmer (links) und Laura Mertens kämpfen am Freitag um die Olympia-Tickets

Budapest scheint derzeit der Hotspot der Sportwelt zu sein. Der Ringer-Weltverband UWW hatte Ungarns Hauptstadt indes schon im letzten Jahr als Ausrichter der Europa-Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio vorgesehen. Was 2020 aufgrund der Corona-Pandemie nicht umgesetzt werden konnte, soll jetzt klappen: Von Donnerstag bis Sonntag kämpfen die besten europäischen Ringer*innen, die sich bei der WM 2019 noch nicht qualifizieren konnten, um jeweils zwei Tickets in den olympischen Gewichtsklassen. Mit dabei sind drei Athletinnen des AC Ückerath: Nina Hemmer (53 kg) und Laura Mertens (57 kg) sowie Jessica Blaszka (53 kg), die für die Niederlande startet. Für den Deutschen Ringer-Bund gehen zudem Lisa Ersel (50 kg) und Lisa Niemesch (62 kg) in Budapest auf die Matte.

Für alle ist das Turnier in Budapest die vorletzte Gelegenheit, sich für den Wettbewerb in vier Monaten zu qualifizieren. „Natürlich wäre es besser, jetzt das Ticket zu holen“, sagt Laura Mertens. „Dann könnte ich schon mit der Vorbereitung auf Tokio beginnen.“ Die letzte Chance bietet sich vom 6.-9. Mai in Sofia beim Weltturnier. Die Europameisterschaft im April hat keine Bedeutung für die Quali. Deshalb werden die Ringerinnen, die an der Europa- oder Welt-Ausscheidung teilnehmen, für die kontinentalen Titelkämpfe geschont.

Die Vorbereitung auf die Euro-Qualifikation war intensiv: Laura Mertens und Nina Hemmer trainierten im regelmäßigen Wechsel am Bundesstützpunkt in Dormagen und an speziell ausgewählten Standorten zusammen mit starken Gegnerinnen. An den letzten Tagen vor dem Abflug nach Budapest an diesem Mittwoch konzentrierten die Beiden sich auf regelmäßige Übungseinheiten in Dormagen, die immer nach den geltenden Corona-Hygieneregeln durchgeführt wurden. Die wichtigste Aufgabe mit Blick auf Budapest: Die Spannung halten.

Beste Bedingungen in Corona-Zeiten herrschten auch im Trainingslager im Leistungszentrum Herzogenhorn (Baden-Württemberg), das auf etwa 1300 Metern Höhe in einem Naturschutzgebiet gelegen ist. „Da konnte man auch schon mal auf den Berg hochgehen und dem „normalen“ Alltag ein wenig entfliehen“, sagt die 27-jährige Mertens, die im Mai Geburtstag hat. Ein olympisches Erlebnis mit Platz 4 hatte sie bereits als Teilnehmerin der 1. Olympischen Jugendspiele in Singapur im August 2010. Das Mitmachen bei „richtigen“ Olympischen Spielen hat natürlich noch einmal eine andere Bedeutung. Insofern wäre die Quali für Tokio das Highlight ihrer sportlichen Laufbahn: „Japan ist geradezu das Land des Frauenringens. Die Ringerinnen stehen im Mittelpunkt und werden stärker beachtet als die Männer“, sagt die Ergo-Therapeutin. Aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit im Heilmittelsektor gehörte sie zur Impfgruppe 1 und wurde bereits einmal gegen Corona geimpft.

Dieses Privileg hatte Sport-Soldatin Nina Hemmer nicht, dafür aber den klaren Auftrag ihres Arbeitgebers: Sie soll im Sommer in Tokio dabei sein. Sie ist nach Stéphanie Groß (2004 in Athen) die zweite Ringerin des AC Ückerath, die bei Olympischen Spielen starten durfte: 2016 hatte die Militärweltmeisterin von 2018 sich für die Wettkämpfe in Rio de Janeiro qualifiziert. Nach einem etwas unglücklichen Verlauf musste die inzwischen 28-Jährige mit Rang 14 zufrieden sein. Aber auch diesmal gilt wieder: Es ist äußerst schwer, das Ticket überhaupt erst zu lösen. Denn nur die beiden Finalistinnen holen mit Sicherheit das Nationenticket für Tokio. Rang 3 wird ausgekämpft, hat aber nur eventuelle Bedeutung für den Fall des notwendigen Nachrückens.

Mit dem Verlauf des Trainingslagers in Herzogenhorn war Hemmer zufrieden: „Wir haben zusammen mit fünf Französinnen und einer Österreicherin auf hohem Niveau trainiert.“ In Budapest war die Dormagenerin schon 2018 aktiv: Bei der WM belegte sie dort den 8. Platz. Von den Ringerinnen, die damals am Start waren, sind jetzt nicht mehr viele dabei. Aber es sind namhafte Größen, die sich allesamt Hoffnung auf die Quali machen. „Ich fühle mich gut, es kann alles passieren“, geht sie optimistisch auf die Reise: „Durch die Corona-Situation ist letztlich alles neu gemischt.“

Das Turnier in Budapest beginnt am heutigen Donnerstag mit den ersten Wettkämpfen der Männer im Freistil. Die Frauen starten am Freitagmorgen mit der Waage und den anschließenden Qualifikationskämpfen. Die weiteren Kämpfe bis hin zum Halbfinale finden im Verlaufe des Tages statt. Spätestens am Abend steht fest, wer die Europatickets gelöst hat.

Inzwischen stehen nach der Auslosung auch die Gegnerinnen der drei ACÜ-Aktiven fest: Nina Hemmer trifft in der Qualifikation auf Iulia Leorda aus Moldawien. In der gleichen Gewichtsklasse 53 kg hatte Jessica Blaszka Glück und zog gleich ins Viertelfinale ein. Laura Mertens (57 kg) hat es mit der für Rumänien startenden Kateryna Zhydachevska zu tun.

Die Kämpfe können auf https://uww.org im Livestream verfolgt werden.