Schwerpunkt Ringen

Es ist inzwischen über drei Jahrzehnte her: Am 3. Februar 1982 gründete der AC Ückerath 1961 e.V. die erste Damen-Ringer-Abteilung in Deutschland. Hans von Zons, der Ehrenvorsitzende des ACÜ und damalige Vorsitzende, blickt zurück.

Wie kam es zur Geburtsstunde des Frauenringens? Der Präsident des NRW Ringerverbandes, Werner Kolbacher aus Remscheid, rief im Dezember 1981 bei mir an und fragte an, ob wir nicht bereit wären eine Damen-Abteilung im Ringen aufzumachen. Dagmar Rapp, 24 Jahre alt und von Beruf Krankenschwester aus Leichlingen, habe ihn nach einem Verein in Nordrhein-Westfalen gefragt, der Frauenringen anbiete. Da hatte Werner Kolbacher gleich an den AC Ückerath gedacht, denn er erinnerte sich daran, dass wir 1976 in einem Vergleichskampf der Männer gegen Kopenhagen als Vorkämpfer einige interessierte Frauen und Mädchen hatten ringen lassen. Dagmar Rapp war übrigens durch eine französische Freundin zum Frauenringen gekommen: Denis Picavet aus Tourcoing, die schon einige Jahre in Frankreich aktiv war und sich dort einen Namen gemacht hatte. Dagmar Rapp hatte im Urlaub in Frankreich öfters mittrainiert.

Ich versprach Werner Kolbacher, dass ich mit unseren Trainern und Vorstandsmitgliedern über das Thema sprechen würde. Von großer Begeisterung war dabei freilich zunächst nichts zu spüren. Alle waren aber der Auffassung, dass ein Trainingsversuch mit Frau Rapp und anderen Frauen sowie Mädchen von Vereinsmitgliedern nicht schaden könne. Nach einigen Trainingswochen hatten wir 13 zum Teil junge Damen und Frauen, die mit großer Begeisterung für den Ringkampfsport ausgestattet waren und den Vorstand baten, eine Damen-Ringer- Abteilung zu gründen.

Im Februar 1982 war es dann soweit, der Vorstand gründete die erste Damen-Ringer-Abteilung in Deutschland. Zum ersten Trainer der Frauen wurde Rolf Ballas gewählt. Später kam Manfred Stroka als zweiter Trainer hinzu. Der Vorstand fuhr mit einigen Beobachtern im April 1982 zu einem internationalen Frauen-Turnier nach Rochefort in Belgien. Dieses Treffen galt der Information über wichtige Fragen: Welche Gewichtsklassen gibt es, welche Ringertrikots tragen die Frauen und Mädchen und vieles mehr.

Im August 1982 wurde in Großbritannien anlässlich der FILA-Tagung Frauenringen offiziell aufgenommen und somit international. Der Deutsche Ringerbund hat folgerichtig im September 1982 in seinen Richtlinien ebenfalls das Frauenringen anerkannt. Der erste Startausweis für Frauen wurde in Nordrhein-Westfalen und Deutschland am 27. Oktober 1982 für Claudia Borkowsky (AC Ückerath) ausgestellt. Einen Monat später richtete der AC Ückerath das erste internationale Ringerinnen-Mannschaftsturnier in Deutschland aus. Teilnehmer waren Tourcoing/Frankreich, Rochefort/Belgien und als Ausrichter der AC Ückerath, der hinter Rochefort den 3. Platz belegte. In der Ückerather Mannschaft standen: Britta van Berkum (47 kg), Anke van Berkum (49 kg), Dagmar Rapp (49 kg), Silke Jaskowiak (50 kg), Rita Schmitz (51 kg), Denis Möcker (53 kg), Manuela Gronen (54 kg) und Claudia Borkowsky (61 kg).

Am 3. Dezember 1982 brachte „Bild“ einen großen Bericht über den ersten deutschen Verein, der die Sportart Ringen für Damen anbot. Das Magazin „Stern“ berichtete am 17. November 1983 auf zwei Seiten mit Text und Bild. Daraufhin bekam der AC Ückerath Zuschriften und Anfragen aus Australien, USA, Kanada und vielen europäischen Ländern. Nicht nur Ringervereine zeigten Interessen – auch viele Journalisten, die teilweise Frauenringen für zweifelhafte Showeinlagen und dergleichen bei ihrer Berichterstattung verwenden wollten.

Auf Anfrage des DRB-Präsidenten Hermann Schwindling hielt ich im April 1983 auf der Bundesligatagung in Schifferstadt ein Referat über Damenringen. In den Jahren 1983/84 wurden mehrere Kämpfe mit Mannschaften aus Frankreich und Belgien durchgeführt. Der Höhepunkt war am 25. Februar 1984 der Mannschaftskampf gegen Kolbotn (Norwegen), der in der TV-Sendung „Sport im Westen“ von WDR III in Ausschnitten übertragen wurde. Die Norwegerinnen waren mit 35 Personen angereist – mit 20 aktiven Schülerinnen und 9 Seniorinnen. Wir vom AC Ückerath konnten mit 14 Schülerinnen und 2 jugendlichen Ringerinnen antreten. Dennoch konnten wir einige Siege verbuchen. Insgesamt waren die Norwegerinnen, wie nicht anders zu erwarten, uns weit überlegen.

Da der AC Ückerath zu dieser Zeit der einzige Verein in Deutschland war, der Frauenringen aktiv betrieb, schien diese „neue“ Sportart in Deutschland zunächst zum Scheitern verurteilt. Der ACÜ stellte denn auch 1987 das Training für die Damen vorübergehend ein. Dass sich das Frauenringen aber unaufhaltsam weiter entwickeln würde zeigte sich insbesondere in den skandinavischen Ländern. Aber auch Japan ist hier ein Beispiel, eben so wie unser Nachbarland Frankreich. Hier war das Frauenringen seit den 70er und 80er Jahren eine feste Größe. Da ab 1987 die ersten Weltmeisterschaften im Frauenringen in Lörenskog (Norwegen) ausgetragen wurden – noch ohne deutsche Beteiligung – veröffentlichte der DRB etwas später das internationale Reglement für den weiblichen Ringkampf.

Hier Ausschnitte zum Thema Kleidung: Das tragen eines Büstenhalters ohne Verstärkung wird empfohlen. Die Haare müssen mit Gummi oder Bändern befestigt sein, ausgeschlossen sind Metallspangen. Das tragen von Ohrringen, Armbändern, Ringen und anderen Dingen aus festem Material oder Metall ist streng verboten, ebenfalls das Tragen eines männlichen Trikots oder ausgeschnittenen T-Shirts.

An der ersten WM waren 48 Teilnehmerinnen aus sieben Nationen beteiligt: Belgien, Dänemark, Frankreich, Holland, Japan, Schweden und Norwegen. Der Weltverband führte hier offiziell für Frauen das Freistilringen ein – auf griechisch-römisch wurde bewusst verzichtet. Nach den Europa- und Weltmeisterschaften 1988 im französischen Dijon gab es 1989 bei der WM in Martigny (Schweiz) zum ersten Mal eine deutsche Teilnehmerin: Sandra Schrenker aus Bamberg belegte in der Klasse bis 65 kg einen beachtlichen 4. Platz. Erst in den 90er Jahren war das Frauenringen in Deutschland in einigen Landesverbänden organisiert. Hierbei trug auch der Mauerfall Früchte, denn die ostdeutschen Ringerverbände hatten schnell das Frauenringen im Trainings- und Wettkampfprogramm aufgenommen.

1992 unternahm der AC Ückerath mit Trainer Heinz Schmitz einen neuen Anlauf und organisierte das Frauenringen neu. Danach ging es mit dem Frauenringen beim AC Ückerath insbesondere, aber auch im Ringerverband NRW sowie in Deutschland ständig aufwärts. 1992 und 1993 nahmen Ückerather Frauen und auch Aktive der weiblichen Jugend an nationalen und internationalen Meisterschaften teil. Vom Ringerverband NRW waren 1992 bei der ersten IDM (internationale deutsche Meisterschaften), die in Freiburg ausgetragen wurde, etliche Starterinnen dabei. Nina Englich belegte 1993 bei den ersten Jugendweltmeisterschaften in Götzis (Österreich) einen tollen 2. Platz.

1994 war auch der Ückerather Nachwuchs so weit: Heinz Schmitz und Co-Trainer Detlef Ballas nahmen mit einigen Sportlerinnen an den ersten deutschen Meisterschaften für Frauen und weibliche Jugend in Würzburg teil. Dass sie schon gleich mit drei Medaillen nach Hause kommen würden, damit hatte kaum jemand gerechnet. So errang Ramona Dobras einen 2. Platz bei der Jugend, Sandra Kluth und Claudia Borkowsky wurden jeweils Dritte bei den Frauen. Bei der IDM 1994 in Groß-Ostheim holte Claudia Borkowsky einen hervorragenden 2. Platz, Sandra Kluth wurde Dritte. Ein Jahr später richtete unser Verein die Titelkämpfe aus, 1999 dann auch die Deutschen Meisterschaften.

Die Erfolge bei zahlreichen nationalen und internationalen Veranstaltungen und Meisterschaften und die Durchführung der diversen Turniere machen deutlich, dass die Initiative von 1982 richtig und zukunftsweisend war. Wir vom AC Ückerath freuen uns, dass wir einen wesentlichen Beitrag zum Durchbruch des Frauenringens in Deutschland leisten konnten.

Erfolgsbilanz Abteilung Ringen

03.04.61: Gründungsversammlung bei Manes am Bösch, einberufen durch Hans von Zons
1972: 1. Mannschaft wird Niederrheinmeister / Aufstieg in die Oberliga West
1973: Gerhard Siebold wird Deutscher Meister und Vizemeister der Junioren
1974: Rudolf Pesch wird Deutscher Meister der A-Jugend
1975: 1. Mannschaft wird Westdeutscher Vizemeister – Aufstieg in die 2. Bundesliga / aus finanziellen Gründen muss das Team aber in die Bezirksliga zurückkehren
1976: 1. Mannschaft wird Meister der Bezirksliga – Rudolf Pesch wird Deutscher Meister der Junioren
1977: Rudolf Pesch zum dritten Mal Deutscher Meister
1978: Aufstieg in die 2. Bundesliga – Michael König wird Deutscher Meister der Junioren und Vizemeister der A-Jugend
1979: Aufstieg der 2. Mannschaft in die Landesliga
1981: Ausrichtung der Deutschen Mannschaftsmeisterschaften der A-Jugend – Rolf Ballas wird Deutscher Meister der A-Jugend
1982:Gründung der ersten weiblichen Ringergruppe in Deutschland – Markus Heinen wird Europameister der B-Jugend
1983: Torsten van Berkum wird Deutscher Meister der B-Jugend / Schüler
1984: Torsten van Berkum erneut Deutscher Meister / B-Jugend – Die 1. Mannschaft wird Westdeutscher Meister und steigt ein weiteres Mal in die 2. Bundesliga auf.
1989: Abstieg der 1. Mannschaft aus der 2. Bundesliga in die Verbandsliga
1992: Beginn der Zusammenarbeit mit der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule in Dormagen-Nievenheim im Rahmen des Projektes „Öffnung von Schule“
1994: Das Ringerzentrum an der Gesamtschule wird eingeweiht und wird ein Jahr später zum Stützpunkt des LSB (Talentsichtung / Talentförderung)
1995: Katharina Danisch und Sandra Piel werden deutsche Meisterinnen – Ausrichtung der 4. Internationalen Deutschen Meisterschaft der weiblichen Jugend und Frauen – Hans von Zons wird Ehrenvorsitzender
1996:Beginnender Neuaufbau des Breitensportangebots
1997: 1. Platz für Sarah Schmitz bei Internationaler französischer Meisterschaft (auch 1998) – Janine Sandner wird Deutsche Meisterin – Einrichtung des ersten Teilinternats Ringen in NRW an der Gesamtschule in Nievenheim mit 18 Schüler/innen – Annett Kamke wird Europameisterin der Juniorinnen – Stéphanie Groß (Vizeweltmeisterin der Frauen 1997) wechselt zum ACÜ – Die 1. Mannschaft steigt in die Oberliga auf – Clemens Rathmayr wird österreichischer Kadettenmeister
1998: Janine Sandner, Stéphanie Groß und Sarah Schmitz werden Deutsche Meisterinnen – Stéphanie Groß holt Silber bei der Europa- und Weltmeisterschaft – 1. Internationales Hans-von-Zons-Turnier für weibliche Altersklassen – Stéphanie Groß wird Ringerin des Jahres – Gründung der Sparte Badminton
1999: Ausrichtung der Deutschen Meisterschaften im Ringen der Frauen und weiblichen Jugend
2000: Evelyn Lamczek gewinnt in Schweden die „Klippan Lady open“ – Sarah Schmitz und Evelyn Lamczek werden Deutsche Jugendmeisterinnen – Gerhard Siebold wird in beiden Stilarten Deutscher Seniorenmeister und Vizeweltmeister der Veteranen – Auszeichnung mit dem „Grünen Band für vorbildliche Talentförderung im Verein“
2001: Stéphanie Groß wird Deutsche Meisterin
2002: Das 5. Internationale Hans-von-Zons-Turnier wird ersmals als FILA-Turnier ausgerichtet – Stéphanie Groß und Yvonne Hees (heute Englich) werden Deutsche Meisterinnen – Einrichtung des Leistungszentrums NRW (weibliches Ringen) mit der hauptamtlichen Trainerin Stéphanie Groß
2003: Gerd Siebold wird Weltmeister der Veteranen im freien Stil (auch 2004) – Stéphanie Groß und Ivonne Ewert werden Deutsche Meisterinnen 2004: Stéphanie Groß qualifiziert sich für die Olympischen Spielen in Athen und ist dort die einzige Teilnehmerin aus dem Rhein-Kreis Neuss. Sie schreibt Geschichte, denn sie bestreitet den ersten Kampf in der Geschichte der Olympischen Spiele gegen die Griechin Stavroula Zygouri. Stéphanie Groß verpasst knapp das Halbfinale und wird schließlich Siebte – Das Hans-von-Zons-Turnier erhält den Status „Grand Prix der Bundesrepublik Deutschland / Ringen Frauen“ – Stéphanie Groß und Lisa Hug werden Deutsche Meisterinnen – Groß zudem Vize-Europameisterin
2005: Stéphanie Groß (Frauen) und Ramona Ballas (Jugend) werden Deutsche Meisterinnen
2006: Die Taekwondoabteilung des VdS Nievenheim wechselt zum AC Ückerath – Alexandra Engelhardt wird Vize-Europameisterin bei den Frauen – Patrick Schendzielorz wird Deutscher Meister der B-Jugend (GR) – Stéphanie Groß (Frauen) und Ramona Ballas (Jugend) werden Deutsche Meisterinnen – Die 1. Mannschaft wird Vizemeister der Verbandsliga und steigt in die Oberliga auf – Der ACÜ wird im Rahmen des Wettbewerbs „Innovative Sportkonzepte im Rhein-Kreis Neuss“ ausgezeichnet
2007:Stéphanie Groß wird Ringerin des Jahres im DRB und Vize-Weltmeisterin – Ramona Ballas und Nina Hemmer werden Deutsche Jugendmeisterinnen – Der AC Ückerath wird zum zweiten Mal mit dem Preis „Grünes Band“ der Dresdner Bank und des Deutschen Olympischen Sportbundes für vorbildliche Talent- und Nachwuchsförderung ausgezeichnet – Nordrhein-Westfalen mit überwiegend Ringerinnen des AC Ückerath wird zum ersten Mal Deutscher Mannschaftsmeister der Frauen
2008:Der AC Ückerath richtet die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften der Frauen aus – Patrick Schendzielorz wird Deutscher A-Jugend- und Junioren-Vizemeister – Stéphanie Groß und Yvonne Englich werden Deutsche Meisterinnen – Die 1. Mannschaft belegt den 2. Platz in der Oberliga – Stéphanie Groß wird „Sportlerin des Jahres 2007 der Stadt Dormagen“ 2009. Gerhard Siebold wird Vizeweltmeister der Veteranen im freien Stil und Deutscher Meister in beiden Stilarten – Frank Burghartz wird Deutscher Meister im griechisch-römischen Stil und Vizemeister im freien Stil bei den Veteranen – Nina Hemmer wird Vize-Europameisterin bei den Kadettinnen – Der ACÜ wird zum Bundesstützpunkt Ringen – weiblich (Nachwuchs) ernannt
2010: Gerd Siebold wird zum dritten Mal Veteranen-Weltmeister im freien Stil – Nina Hemmer, Laura Mertens und Denise Schultheiß werden Deutsche Meisterinnen (Jugend) – Laura Mertens wird Vierte bei den 1. Olympischen Jugendspielen in Singapur – Grundsteinlegung für die neue Ringerhalle des ACÜ am Berufsbildungszentrum Dormagen
2011: Nina Hemmer wird Deutsche Meisterin (Frauen), Fünfte bei den Europameisterschaften in Dortmund und Dritte bei der Juniorinnen-WM
2012: Nina Hemmer wird Deutsche Meisterin, Europameisterin bei den Juniorinnen, Fünfte bei der Juniorinnen-WM und schließlich zur Nachwuchsringerin des Jahres erklärt. Anschließend wird sie Dormagens Sportlerin des Jahres
2014: Laura Mertens wird Deutsche Meisterin
2015: Laura Mertens holt erneut DM-Gold